ProjekteFreizeit-& Sozialbauten | Kindertagesstätte “Stiftung Rohlack”

Kindertagesstätte “Stiftung Rohlack” | Neubau

Bauzeit 2010 – 2012

Goldberg | Güstrower Sraße 11

Auftraggeber | Diakoniewerk Kloster Dobbertin GmbH

Bruttogrundfläche | ca. 500m²

PLANUNGSLEISTUNGEN:

  • Gebäudeplanung, nach § 33 HOAI; Leistungsphasen 1 – 8/9
  • Brandschutzplanung

Als Vorbereitung der Baumaßnahme wurde das Bestandsgebäude im November 2010 abgebrochen. Die Bauarbeiten des Ersatzneubaus begangen im Dezember 2010 und wurden im Januar 2012 erfolgreich abgeschlossen. Es wurde ein modernes Bauwerk entwickelt, das heutigen Nutzerbedürfnissen und innovativen pädagogischen Inhalte gerecht wird. Der Neubau beinhaltet den Stiftungsgedanken der Familie Rohlack.

PROJEKT

Auf dem vorgegebenen Grundstück befanden sich das ehemals als Wohnhaus errichtete zweigeschossige Backsteingebäude (Villa “Stiftung Rohlack”), ein eingeschossiges Nebengebäude und eine zweigeschossige Hofbebauung in Fachwerkbauweise.
Das Hauptgebäude wurde in der Denkmalliste als Baudenkmal erfasst.

Das Diakoniewerk Kloster Dobbertin gGmbH betrieb im Bestandsgebäude die Kindertagesstätte “Stiftung Rohlack”. Im Zusammenhang mit dem Erwerb der Liegenschaft durch das Diakoniewerk sollte eine räumliche Verbesserung der Betreuungssituation erfolgen.

Die städtebauliche Umgebung des Standortes ist geprägt von eingeschossiger Wohnbebauung mit Satteldächern.
Auf dem Grundstück ist ein eingeschossiger Ersatzneubau mit Flachdach entstanden. Das vorhandene zweigeschossige Fachwerkgebäude im Südosten des Grundstückes bleibt erhalten und wird weiterhin als Nebenfläche genutzt. Der Neubau wurde als kompakter Baukörper konzipiert.

Selbstverständlicher Teil des Planungskonzeptes war die Nutzung alternativer Energien, wie zum Beispiel eine Wärmepumpenheizung mit Tiefenbohrungen, die Regenwassernutzung oder die Wärmerückgewinnung bei der Lüftungsanlage. Hier war das engagierte Zusammenarbeiten von Bauherr, Nutzer, Architekt und den Fachingenieuren Voraussetzung für die Entwicklung eines energetisch nachhaltig nutzbaren Ort für Kinder und Erzieher.

Der eingeschossige Neubau wurde in Massivbauweise, mit wärmegedämmten Verblendmauerwerk und Flachdach errichtet. Der historische Erker an der Straßenfassade wurde erhalten und in den Neubau integriert. Unmittelbar an den historischen Erker grenzt eine gebäudehohe Glasfassade, die die Straßenfassade, entsprechend der örtlichen Dimensionen sowie das dahinter liegende Atrium belichtet. Das Atrium beherbergt die zentralen Funktionen des Gebäudes, wie Foyer, Garderoben für die Kinder und den Mehrzweckraum. Sämtliche Funktionen gliedern sich um diesen zentralen Innenraum.
Die Fenstertüren in den Gruppenräumen und die auskragende “Fenster-Box” an der Straßenfassade ermöglichen direkte Sichtbeziehungen zum Außenraum. Allen Kindern wird somit die Möglichkeit des ebenerdigen Zugangs zu den Außenspielflächen ermöglicht.

Insgesamt erfolgt eine zurückhaltende, funktionsbezogene architektonische Gestaltung der Fassaden und des Gebäudeinnenraumes.

Das andere Zuhause – Ersatzneubau einer Kindertagestätte

Goldberg – eine geschichtsträchtige Kleinstadt in Mecklenburg, abseits der großen Bauevents unserer Zeit und der jährlich in den Sommermonaten wiederkehrenden Touristenströme. Gerade in dieser Kleinstadtidylle spielt der Umgang mit Baugeschichte, mit Identität und Vergangenheit, eine große Rolle.

Dieses aktuelle Geschichtsbewusstsein bezieht sich auch auf stadtgeschichtsrelevante Gebäude der Kaiserzeit, wie die sich in Standrandlage befindende kleine Villa der ehemaligen Sägewerksbesitzer Rohlack.

Nachdem das Gebäude seine repräsentative Wohnfunktion verloren hatte, wurde es seit den 1970er-Jahren als Kindertagesstätte genutzt. Bei dem Gebäude handelte es sich um ein für den Straßenzug markantes Gebäude, mit einem kleinen Turm und einem vor der Straßenfassade stehenden Quergiebel. Das Alter des Gebäudes, in Verbindung mit mehreren Umbauten und eine intensive Nutzung hatten jedoch sichtbare Schadensspuren am Gebäude hinterlassen.

Im Jahr 2010 wurde durch den neuen Betreiber der Kindertagesstätte, das Diakoniewerk Kloster Dobbertin gGmbH, entschieden, eine umfassende Gebäudesanierung durchzuführen. Nachfolgend zu bau- und materialtechnischen Untersuchungen der Bausubstanz entstand die Erkenntnis, dass eine Sanierung des Gebäudes, auch bei Bewertung des Denkmalstatus, zu vertretbaren Kosten nicht möglich ist. Hier galt es nun eine ortsbezogene, jedoch neue Lösung zu finden, die eine bauliche Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft herstellt und dabei ganz deutlich auf die neuen „Villenbesitzer“, die Kinder eingeht.

In der Folge unterschiedlicher städtebaulicher und architektonischer Variantenuntersuchungen entstand in den Jahren 2011/12 ein moderner, eingeschossiger Ersatzneubau für vierzig Kinderkrippen- und Kindergartenkinder. Von Bedeutung für die Lösungsfindung war bei dem Neubau die Schaffung eines architektonischen Standortbezugs, umgesetzt im dem Wechselspiel von Form und Materialität, immer in Bezug zur Nutzung. Der neue Baukörper nimmt die historische Fassadenflucht auf, ausgebildet als klare Rechteckform. Als Fassadenmaterial erfolgt bewusst der Einsatz von regionaltypischen gelbockerfarbenen Fassadenziegeln, mit farbgleicher Verfugung. Aus diesem Baukörper heraus gibt es für die Kinder unterschiedlichste Aus- und Einblicke, wie mit der bespielbaren orangen Box.

Als sichtbare bauliche Brücke zur Vergangenheit, als originale Reminiszenz an den Vorgängerbau, ist ein kleiner Teil des historischen Gebäudes, der Quergiebel, in die straßenseitige Fassade integriert worden – als der historische, Ein- und Ausblick.

Selbstverständlicher Teil des Planungskonzeptes ist die Nutzung alternativer Energien, wie zum Beispiel die Wärmepumpenheizung mit Tiefenbohrungen, die Regenwassernutzung oder die Wärmerückgewinnung bei der Lüftungsanlage.

Hier ist das engagierte Zusammenarbeiten von Bauherr, Nutzer, Architekt und den Fachingenieuren Voraussetzung gewesen, damit auch ein energetisch nachhaltig nutzbarer Ort für Kinder und Erzieher entstehen konnte.

Gleichwertig – ja fast vorrangig – zu architektonischen und energetischen Fragen war bei der Umsetzung des Vorhabens ein zeitgemäßes pädagogisches Konzept, das Kinder ständig zum Kennenlernen und Untersuchen auffordert, gleichzeitig aber auch Raum für Rückzug bietet. Darüber hinaus ist die Inneneinrichtung in das Gesamtkonzept, mit der Schaffung unterschiedlicher Spiel- und Rückzugsebenen, sowie die Freianlagen integriert, so dass eine Nutzung des Standortes für soziale, kindgerechte Zwecke zukunftsfähig gesichert ist.

Insgesamt ist ein vom Erscheinungsbild ein modernes Bauwerk entwickelt worden, das heutige Nutzerbedürfnisse und innovative pädagogische Inhalte mit dem Stiftungsgedanken der Familie Rohlack verbindet.

Ja und für Goldberg: es ist wieder ein Stück Zukunft, durch bauliche Fortführung eines historischen Standortes, entstanden.