Deutsches Architektenblatt, März 2010; Seite 3

Lobby für gute Zwecke

 


Joachim Brenncke, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer

Lobbyismus – das klingt nach Gruppen-Egoismus zu Lasten der ganzen Gesellschaft. Das sah  der Berliner Architekturkritiker Nikolaus Bernau anders, dessen Bericht zum 40.Geburtstag der Bundesarchitektenkammer den Titel trug: „Eine gern gesehene Lobby“. Und er nannte Ziele unseres Lobbyismus: „mehr offene Architektur- und Landschaftsplanungs-Wettbewerbe, die feste Honorarordnung HOAI und inzwischen auch  eine ökologischere Architektur.“
Sind wir eine erfolgreiche Lobby für Architekten und Planer?

 

Sieht man sich die Missstände rund um unseren Beruf an, scheint die erste Antwort zu lauten: Nein. Zu viele von uns sind täglich im Existenzkampf; zu oft wird mit zu billigen Mitteln zu schlecht gebaut, und ökologisch nachhaltig schon gar nicht. Das Bürokratie-Gestrüpp wuchert weiter.

Aber sehen wir uns umgekehrt an, was wir in den letzten Jahren erreicht haben: eine HOAI noch mit Mängeln, aber immerhin höheren Honorarsätzen. Eine schlankere, besser handhabbare Wettbewerbsordnung; ein deutlich höheres Gewicht der Nachhaltigkeit in politischen Programmen und in Paragraphen.